Digitaler Fußabdruck: Was verrät das Internet über Sie?
Ein Profilname, eine alte Anzeige, derselbe Benutzername und ein Urlaubsfoto. Einzeln Kleinigkeiten; zusammen eine Anleitung, wie man Sie glaubwürdiger ansprechen kann. Prüfen Sie Ihre öffentlichen Informationen und entscheiden Sie, was online bleiben soll.
Betrüger müssen Ihr Passwort nicht kennen, um viel über Sie zu wissen
Informationen stammen oft von Orten, an denen Sie sie selbst hinterlassen haben: öffentliche Profile, Kommentare, Anzeigen oder alte Konten. Problematisch wird es häufig, wenn sich diese Angaben verknüpfen lassen.
Was Sie veröffentlichen
Fotos, Bildunterschriften, Bewertungen, Arbeitgeber, eine Telefonnummer in einer Anzeige oder eine öffentliche E-Mail-Adresse.
Was sich verknüpfen lässt
Derselbe Benutzername und dasselbe Profilfoto können Profile verbinden, die Sie getrennt halten wollten.
Wie es missbraucht werden kann
Eine Nachricht kann Ihren richtigen Namen sowie Angaben zu Arbeit oder Interessen nutzen und persönlich wirken. Auch korrekte Informationen bestätigen jedoch nicht die Identität des Absenders.
Fünf unscheinbare Spuren ergeben eine überzeugende Geschichte
Anna nennt auf ihrem beruflichen Profil den Arbeitgeber, erwähnt öffentlich ihren Hund Rex, verwendet in einem Forum denselben Benutzernamen und hat in einer alten Anzeige ihre Telefonnummer hinterlassen. Jede Angabe stammt aus einer anderen Situation.
„Guten Tag, Anna, es geht um die Sicherheit Ihres Arbeitskontos …“
Eine persönliche Ansprache kann die Vorsicht senken. Prüfen Sie Aufforderungen zur Anmeldung, Codeweitergabe oder App-Installation immer unabhängig über einen bekannten Kontakt.
Was finden Sie in 15 Minuten über sich selbst?
Suchen Sie nur nach eigenen Angaben und notieren Sie Links zu gefundenen Seiten. Beginnen Sie abgemeldet oder in einem privaten Fenster, um ungefähr die Sicht nicht angemeldeter Besucher zu erhalten. Ergebnisse können je nach Suchmaschine, Land und Zeitpunkt variieren.
1. Name und Benutzernamen
Suchen Sie den vollständigen Namen in Anführungszeichen und ergänzen Sie dann Wohnort oder Arbeitgeber. Probieren Sie alte Spitznamen und wiederverwendete Benutzernamen.
"Anna Musterfrau" BerlinDerselbe Benutzername auf einem Marktplatz, in einem Forum und einem sozialen Netzwerk kann ansonsten getrennte Profile verbinden.
2. E-Mail und Telefonnummer
Suchen Sie die eigene E-Mail-Adresse in Anführungszeichen. Probieren Sie die Telefonnummer mit und ohne Landesvorwahl sowie mit Leerzeichen. Achten Sie auf alte Anzeigen, Verzeichnisse und öffentliche Dokumente.
"meine.adresse@example.com"Kein Treffer in einer Suchmaschine bedeutet nicht, dass die Angabe nirgendwo online steht.
3. Öffentliche Profile
Öffnen Sie eigene soziale Profile in einem abgemeldeten Fenster und prüfen Sie auch Markierungen durch andere. Sind Telefon, E-Mail, Wohnort, Familie, regelmäßige Wege oder aktuelle Urlaubsaufenthalte sichtbar?
4. Alte Konten und Anzeigen
Prüfen Sie Marktplätze, Foren, Diskussionen, Spielkonten, Bewertungen und alte eigene Websites. Suchen Sie im Postfach etwa nach „Registrierung“, „Willkommen“ oder „Konto bestätigen“. Prüfen Sie auch Angaben, die nach dem Löschen einer Anzeige öffentlich geblieben sind.
5. Eigene Fotos
Testen Sie die umgekehrte Bildersuche mit einem häufig verwendeten Profilfoto, zum Beispiel über Google Lens oder TinEye. So erkennen Sie möglicherweise, ob dasselbe Bild Ihre Profile verbindet. Mit dem Hochladen geben Sie die Datei an einen externen Dienst weiter; laden Sie dort keine sensiblen Fotos hoch.
6. Datenlecks und Metadaten
Ihre E-Mail-Adresse können Sie prüfen bei Have I Been Pwned. Ein Treffer bedeutet, dass sie in einem erfassten Datenleck vorkommt, nicht zwingend, dass Ihr aktuelles Konto kompromittiert ist. Prüfen Sie Fotos vor dem Veröffentlichen mit dem DPP-Metadatenreiniger (Tschechisch). Er arbeitet lokal im Browser und erstellt eine bereinigte Kopie in einem unterstützten Format.
Möchten Sie Ihre Funde zusammenhalten?
Der DPP-Check des digitalen Fußabdrucks bereitet Suchanfragen für mehrere Ihrer Benutzernamen und Kontaktdaten vor. Sie markieren selbst, welche Angaben auf den geprüften Seiten tatsächlich zusammen vorkommen. Die Suche startet erst durch Ihren Klick.
Suchen Sie Zusammenhänge, nicht nur einzelne Angaben.
Stellen Sie zu jedem Fund drei Fragen: Wer sieht ihn? Wofür könnte er genutzt werden? Kann ich die Sichtbarkeit begrenzen?
- Zeigt ein Profil öffentlich Ihre Kontakt-E-Mail oder Telefonnummer?
- Nutzen Sie an verschiedenen Orten dasselbe Foto und denselben Benutzernamen?
- Verraten Fotos Wohnung, Arbeitsplatz oder regelmäßig besuchte Orte?
- Sind alte Anzeigen, Kommentare oder Dokumente noch öffentlich?
- Zeigt ein Profil familiäre Beziehungen oder Ihre aktuelle Abwesenheit?
- Enthalten Originaldateien Standortdaten oder andere Metadaten?
Wie viele Spuren hinterlassen Sie öffentlich?
Beantworten Sie acht Orientierungsfragen für konkrete erste Schritte. Das Ergebnis ist weder eine Sicherheitsbewertung noch eine Suche nach Ihren persönlichen Daten.
Den digitalen Fußabdruck verringern, ohne das Internet zu verlassen
Beginnen Sie mit Kontaktdaten und Verbindungen zwischen Konten. Entscheiden Sie, ob eine Angabe öffentlich sein muss oder nur für ausgewählte Personen sichtbar sein soll.
E-Mail-Adressen nach Zweck trennen
Sie benötigen nicht genau drei Postfächer. Es hilft aber, wichtige Konten von alltäglichen Registrierungen zu trennen. So verrät eine öffentliche Adresse nicht automatisch auch die Anmeldeadresse Ihrer sensibelsten Dienste.
Bank, Behörden, Passwortmanager und Wiederherstellung wichtiger Konten. Veröffentlichen Sie diese Adresse nicht in Profilen oder Anzeigen.
Gewöhnliche Kommunikation und Dienste, für die Sie dauerhaft Zugriff auf das Postfach benötigen.
Eine getrennte, maskierte Adresse für einen Newsletter oder einzelnen Dienst. Sie leitet Nachrichten an Ihr eigentliches Postfach weiter und lässt sich später deaktivieren.
Ein Alias ist kein Wegwerfpostfach. Für Konten, die Sie später wiederherstellen möchten, brauchen Sie eine langfristig erreichbare Adresse. Eine Wegwerfadresse kann die Wiederherstellung verhindern. Ein Beispiel für einen Alias-Dienst ist Firefox Relay; prüfen Sie vor der Nutzung die aktuellen Bedingungen und den Empfang wichtiger Nachrichten.
Benutzernamen und Kontakte
Wenn private und berufliche Aktivitäten getrennt bleiben sollen, verwenden Sie nicht überall denselben Benutzernamen. Geben Sie Ihre Telefonnummer nur dort an, wo sie nötig ist, und entfernen Sie alte Kontaktdaten.
Profile und alte Konten
Prüfen Sie Profilsichtbarkeit, Kontaktlisten, Fotomarkierungen und alte Anzeigen. Löschen Sie ungenutzte Konten oder entfernen Sie überflüssige Angaben.
Fotos und Orte
Prüfen Sie den sichtbaren Bildinhalt: Adresse, Dokument, Kennzeichen oder regelmäßig besuchter Ort. Das Entfernen von EXIF-Daten verbirgt diese sichtbaren Angaben nicht.
Gehen Sie von der Quelle zu den Suchergebnissen vor
Kümmern Sie sich zuerst um den Ort, an dem die Angabe tatsächlich veröffentlicht ist. Das Entfernen eines Suchtreffers löscht nicht unbedingt die ursprüngliche Seite.
1. Link sichern
Notieren Sie Seitenadresse, veröffentlichte Angabe und Funddatum. Bei Betrug, Drohungen oder Erpressung sichern Sie Belege vor einer Löschanfrage.
2. Eigene Inhalte entfernen
Bearbeiten Sie Profil, Anzeige oder Beitrag, ändern Sie die Sichtbarkeit oder schließen Sie ein nicht mehr benötigtes Konto. Prüfen Sie auch Markierungen in fremden Beiträgen.
3. Betreiber einer fremden Seite kontaktieren
Wenn Sie den Inhalt nicht selbst verwalten, nennen Sie dem Betreiber die genaue URL und Angabe. Manchmal gibt es ein Löschformular; die Bearbeitung hängt von den Umständen ab.
4. Auffindbarkeit in Suchmaschinen prüfen
Für bestimmte personenbezogene Angaben bietet Google Results about you und Anträge zur Entfernung von Suchergebnissen an. Verfügbarkeit und Genehmigung variieren. Ein entfernter Treffer bedeutet nicht, dass der Inhalt auf der Quellwebsite gelöscht wurde.
Was der eigene Check leisten kann und was nicht
Bin ich „unsichtbar“, wenn Google nichts findet?
Nein. Suchmaschinen kennen nicht jeden öffentlichen Beitrag, Inhalte hinter einer Anmeldung oder Einträge in Dienstdatenbanken. Ergebnisse liefern nur einen Ausschnitt.
Kann jemand allein mit meiner E-Mail-Adresse auf mein Konto zugreifen?
Nein. Die Adresse allein gewährt keinen Zugriff, ermöglicht aber gezieltere Nachrichten und Anmeldeversuche. Nutzen Sie für jedes Konto ein eigenes Passwort und Mehrfaktor-Authentifizierung.
Was bedeutet ein Treffer bei Have I Been Pwned?
Die Adresse kam in einem erfassten Datenleck vor. Prüfen Sie die betroffenen Dienste. Haben Sie das dort genutzte Passwort anderswo wiederverwendet, ändern Sie es auch dort. Kein Treffer beweist nicht, dass es kein Datenleck gibt.
Reicht es, Metadaten aus Fotos zu entfernen?
Nein. Metadaten können Datum, Gerät oder Standort enthalten. Im Bild selbst können aber Dokumente, ein Kindergesicht, eine Adresse oder ein Kennzeichen sichtbar sein. Prüfen Sie Inhalt und Datei.
Findet der Check des digitalen Fußabdrucks alles automatisch?
Nein. Er bereitet Suchanfragen für eigene Angaben vor, öffnet Suchlinks erst durch Ihren Klick und hilft beim Vergleich selbst geprüfter Seiten. Derselbe Benutzername beweist keine Profilzugehörigkeit; fehlende Treffer beweisen nicht, dass eine Angabe nirgendwo steht.
Sollte ich aus Datenschutzgründen alle sozialen Netzwerke löschen?
Das müssen Sie nicht. Entscheiden Sie, was öffentlich, nur für Bekannte oder überhaupt nicht sichtbar sein soll.
Finden Sie eine Spur und entscheiden Sie, ob sie öffentlich bleiben soll
Beginnen Sie mit einem alten Profil oder öffentlichen Kontakt. Bereiten Sie mit dem DPP-Check Suchanfragen nach eigenen Angaben vor und halten Sie tatsächliche Funde fest. Prüfen Sie vor dem nächsten Teilen eines Fotos Inhalt und Metadaten.
Quellen und empfohlene Dienste
Die Links führen zu offiziellen Diensten und Hilfeseiten. Externe Dienste haben eigene Bedingungen zur Datenverarbeitung; prüfen Sie nur eigene Angaben.
